28. Juli – Hofbrief vom Gärtner

Maik der Gärtner hier. Wie ihr sicherlich aus diversen Berichten  mitgekriegt habt, ist dieses Jahr erneut einiges im Argen. Zunächst fiel der Frühling aus und nun gab es seit ungefähr Ostern recht herbe Wassermangelzustände.

Mit meiner Beregnungsanlage versuche ich seit Wochen der Lage Herr zu werden, doch ab einem bestimmten Punkt hat auch das keinen Sinn mehr. Kulturen wie Pastinaken, Radieschen und nun zu guter Letzt auch noch mein Brokkoli und der Blumenkohl sind diesen Umständen nun zum Opfer gefallen.

Nehmen wir einmal das Beispiel Blumenkohl und Brokkoli:
Gewässert habe ich ihn so weit, dass er erhalten bleibt, doch binnen 1-2 Tagen war die dann zudem verschlemmte Erde – die ich anfänglich mühsam wieder aufgearbeitet hatte – wieder trocken. Die Hitze, der verschlemmte Boden und die damit verbundene schlechte Bodengare, führte zu vermehrtem Erdflohaufkommen, welches ich trotz Gießens, Bearbeitung und sogar Knoblauchsuds nicht Herr werden konnte.
Die Röschen sind hart, trocken, nahezu verholzt, zerfressen von Erdflöhen und neigen außerordentlich schnell zur Notblüte. Auch den Rucola hat es dahingerafft und der neu gepflanzte Kohl leidet ebenso stark.

Bei diesen Temperaturen und Witterungen sind Unkrautaktionen auch unsinnig oder gar kontraproduktiv, da dieses Beikraut wenigstens noch ein wenig Schatten liefert.

Gepaart mit den anderen Schwierigkeiten im übersprungenen Frühling und dem lange Zeit alleine auf dem Acker stehen, stehe ich nun vor einem immer härter werdenden Kampf gegen die Natur. Selbst bei dem kleinen Gartenbereich unserer Nachbarin sind die Karotten in Blüte gegangen und vertrocknet.

Abgesehen davon, dass das Arbeiten bei der Hitze seit einiger Zeit immer anstrengender wird, befürchte ich den Ernstfall für dieses Jahr, denn jene Arbeiten und jene Vegetationsperiode bis spätestens Juni/Juli formen auch die Aussichten auf den Herbst bis in den frühen Winter hinein. Ein guter „Landregen“ würde durchaus die noch bestehenden Kulturen aufpäppeln, doch muss ich betonen, dass die Kulturen, die nun verreckt sind, unwiderruflich verloren sind und nicht mehr zu Ernten sind. Auch gesäte Pflanzen liegen nun seit fast 1,5 Monaten im Boden und das Jahr könnte zu kurz für sie geworden sein, um Ertrag zu liefern.

Erklärung auch dazu:
Hätte ich nun die gesäten Streifen gewässert, wären diese aufgekeimt und ich hätte bei diesem Wetter durchgehend die Flächen feucht halten müssen. Gegen Regen kann man nicht an-wässern. Vorhin erwähnte Nachbarin sagte zu diesem Thema: „Ich ernte nun alles noch, was ich noch retten kann und dann war es das wahrscheinlich für dieses Jahr.“
Beim trockensten Jahr in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist dies kein Wunder und auch andere Landwirte hadern. Gestern Nacht gab es ein Gewitter mit ganz guter Regenmenge, was Hoffnung schürt, doch möchte ich erneut darauf hinweisen, dass bereits diverse Kulturen hinüber sind und das Saatgut zwar jetzt aufkeimen wird, doch falls die Wettervorhersagen stimmen, dann kommen zwei weitere heiße und trockene Wochen auf uns zu. Das würde auch den Tod der gesäten Kulturen bedeuten.

Ich bin gewillt, weiter diesen Kampf zu kämpfen bis zu dem Punkt an dem ich entscheiden muss, ob es noch sinnvoll ist, doch vor Allem geht es in den nächsten Monaten darum, uns auf ein starkes, gut geplantes Jahr 2019 vorzubereiten:

  • Eine bessere Bewässerung (vielleicht via Tröpfchenbewässerung)
  • Einen Brunnen mit größerer Fördermenge, dass mehr als 2 Sprenger á 500m² gleichzeitig laufen können
  • Versuch und langsamer Aufbau von Permakultur, um besser mit dem Erdfloh klarzukommen
  • Bereits früh im Jahr mit helfenden Händen das Jahr gestalten, da dort der Grundstein für den Rest des Jahres gelegt wird.
  • Emsig arbeiten und fleißig feiern – uns nach getaner Arbeit auch mehr Festivitäten gönnen.

Ich möchte allerdings noch einmal betonen, dass es wunderbar ist, dass innerhalb der letzten 3 Monate die Helferzahlen an Samstagen von circa 4-7 auf geschlagene 10-20 Personen angestiegen ist. Lob an euch, doch gegen Mutter Natur kann der Mensch nicht lange arbeiten, vor allem nicht, wenn es sich um eine neugestartete SoLaWi handelt, die noch keine krisenfesten Routinen vorweisen kann.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/duerre-in-deutschland-die-auswirkungen-der-rekord-trockenheit-a-1219222.html

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